Humanoide Roboter: Zwischen Hype und Hallenalltag
Der Gedanke hat was: Ein humanoider Roboter lernt Prozesse per Video-Imitation und übernimmt binnen Tagen ungeliebte Aufgaben, Fachkräftemangel adé. Doch die Expertenrunde machte deutlich: Die Einführung ist kein „Big Bang“, sondern ein Prozess, der Unternehmen vor massive Herausforderungen stellt.
Dr. Stephan Peters (Rhenus Logistics) mahnte zur Besonnenheit. Er sieht das größte Hindernis in der internen Struktur der Anwender: „Viele Unternehmen haben beim Thema Datenqualität noch Nachholbedarf. Sie sollten diese Zeit nutzen, um sich vorzubereiten, bis humanoide Roboter in großen Stückzahlen verfügbar sind.“ Ohne saubere Datenbasis bleibe auch die fortschrittlichste KI orientierungslos.
Dass dies keinen Aufschub duldet, unterstrich Prof. Dr. Alice Kirchheim (Fraunhofer IML): „Die Einführung humanoider Roboter wird sehr schnell gehen.“ Kirchheim verwies auf die „posthumane Logistik“: Wenn KI-Agenten andere Agenten steuern, könnten Systeme künftig völlig neu gedacht werden, da sie nicht mehr zwingend auf menschliche Ergonomie angewiesen sind.
Moderator Dr. Christian Jacobi (ebp-consulting) hinterfragte beim Podium kritisch, ob es zwingend die menschliche Form sein müsse. Oliver Bilstein (BMW Group) bejahte dies aus praktischen Gründen: Die Natur habe Augen und Hände ideal positioniert. Dennoch sei die Technik noch nicht perfekt: „Industrieroboter werden Fehler machen, genau wie der Mensch.“
Kevin Maximilian Kron (Boston Dynamics) dämpfte die Erwartung an eine sofortige Umsetzung: „Manche Unternehmen brauchen bis zu fünf Jahre, bis sie bereit für Humanoide oder Robotik sind.“ Boston Dynamics arbeite bereits an „selbstheilenden Flotten“, bei denen Roboter sich gegenseitig warten, um eine Verfügbarkeit von über 99 Prozent zu erreichen.
Ein positives Fazit zog das Panel beim Thema Mensch-Maschine-Interaktion. Entgegen der Angst vor Ablehnung berichtete Bilstein aus der Fertigung: „Die Mitarbeitenden geben den Robotern sofort Namen.“ Die Maschine werde als Kollege wahrgenommen, der körperlich belastende Aufgaben übernimmt.
Ein weiterer Fakt: Die Entwicklung bei den humanoiden Robotern verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Dr. Stephan Peters erinnerte daran, dass die größte Schwäche der Menschheit das Unverständnis für Exponentialfunktionen sei. Man könne „nächstes Jahr hier stehen und schon wieder überrascht sein, wie weit die Technik ist“. Eine Entwicklung, die im Bereich der humanoiden Roboter rasant an Fahrt aufnimmt.